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DIE LINKE. KV Siegen-Wittgenstein

Heimat - Eine Besichtigung des Grauens

Mit ihr wird für Zahnpasta und Banken geworben, der Trachtenhandel erzielt Umsatzrekorde und das
provinzielle Kostüm enthemmt seine Träger/innen. Ein »Volks-Rock ́n ́Roller« füllt große Arenen mit
jungem Publikum, die Bild-Zeitung ehrt sie mit einer kostenlosen Sonderausgabe, die
Qualitätsmedien mit Features und Debatten-Serien. Zeitschriften, die das richtige Anlegen von
Rosenbeeten lehren, sind der Renner auf dem Medienmarkt.


Grüne plakatieren ihr zur Ehre, Sozialdemokraten melden ältere Besitzansprüche an, und beneiden
die Christdemokraten um die Idee mit dem Ministerium. Nazis verkünden, die Liebe zur ihr sei kein
Verbrechen, und wer sie nicht liebe, sei aus ihr zu entfernen. Linke kontern knallhart: ihre Liebe zu
Region und Gebietskörperschaft sei noch viel tiefer, echter und unverbrüchlicher.
Die staatlichen Programme zur Förderung solcher Gefühle sind satt budgetiert, und je trostloser das
Kaff, desto hymnischer hat der Song zu sein, der seinen Liebreiz besingt. Der deutsche Pop folgt
diesem Credo, unsubventioniert und in Privatinitiative. Hauptsache es wird gefühlt. Und das heißt
immer: Allem zersetzenden Denken und kritischer Reflexion wird die Stirn geboten.
So fühlt man sich schonmal wie ein Baum, also tief verwurzelt und unumtopfbar, weil sonst Psyche
und Identität Schaden erlitten. Manche schnuppern auch an Bratwürsten und behaupten, dann
spürten sie Heimat. Vor allem rein und unbefleckt soll sie sein, von ihren Männern beschützt und
verteidigt.


Im Namen von Idyll, Harmonie, Tradition, Brauchtum, Familie und weiterer Höllen wird gegen die
Fremden und das Fremde zu Felde gezogen. Was man bereits ohne Meinungsforschung erkennen
konnte, wurde mittlerweile auch empirisch belegt: Je mehr Heimatliebe, desto ausgeprägter die
rassistische Gesinnung.


Unbeeindruckt davon, stets dem Konstruktiven verpflichtet, bastelt die Zivilgesellschaft an
,alternativen‘ Heimatbegriffen. Und wo noch ein Restwissen oder eine Ahnung vorhanden ist, über
die Geschichte dieses rechten Kampfbegriffs, der oft nur ein anderes Wort für ,Blut und Boden‘ war,
zitiert man das letzte Wort aus »Prinzip Hoffnung« des marxistischen Philosophen Ernst Bloch:
»Heimat« – und verschafft sich so gutes Gewissen.


Das und vieles mehr – das Absurde und das Gefährliche – wird an diesem Abend auf Bühne und
Leinwand besichtigt und vorgeführt, nachgespielt und kommentiert, analysiert und in die Tonne
getreten. Stets parteiisch auf der Seite der historischen und zukünftigen Opfer der Heimat.
FRANK SPILKER (Die Sterne) trägt eine brauchtumsfremde Komposition bei – sein Song möge
Heimatfeinde in Bewegung und Heimatfreunde zum Erstarren bringen.
Wer das für Nestbeschmutzung hält, versteht uns richtig.

Ein Anti-Heimatabend von und mit
Thomas Ebermann und Thorsten Mense

Künstlerische Mitarbeit:
Florian Thamer und Peter Bremm
 

Freitag 19. November 2021 in der Bismarckhalle Siegen-Weidenau

Einlass ab 18.30 Uhr, Beginn um 19.30 Uhr

Karten gibts im Vorverkauf in der Bücherkiste für € 10,00/€ 5,00