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Bullerbü und Hardrock

Professorin informierte über das Konzept Gemeinschaftsschule

Am vergangenen Mittwoch, dem 23. März 2011 hatte DIE LINKE. Netphen in den Großen Ratssaal des Rathauses geladen: Susanne Thurn, Professorin und Leiterin der Laborschule Bielefeld wollte mit den Netpher Bürgerinnen und Bürgern, Eltern und allen Interessierten über eine andere Schulpolitik und eine "Schule für Alle" diskutieren - und stieß auf reges Interesse: Rund 50 BesucherInnen hatten den Weg ins Rathaus gefunden!


Wir gratulieren den Netpher GenossInnen zu dieser großartigen Veranstaltung und dokumentieren im Folgenden den Bericht der Siegerner Zeitung vom 26.03.2011:


Bullerbü und Hardrock

 

Professorin informierte über das Konzept Gemeinschaftsschule


stb Netphen. "Gerechtigkeit besteht darin, Unterschiede zu machen." Schon mit dieser ihrer obersten Maxime schnürte Prof. Dr. Susanne Thurn gestern Abend in Netphen einem der am meisten geäußerten Vorbehalte gegen eine Gemeinschaftsschule die Luft ab.

"Kinder, die leicht lernen, werden bei uns auch nicht gebremst, um Rücksicht auf die Schwächeren zu nehmen. Wir verlangen schlicht, dass jedes leistet, was es zu leisten imstande ist", beschrieb die Leiterin der Laborschule des Landes NRW in Bielefeld ihren rund 50 Zuhörern.

Die Laborschule, 1974 gegründet, unterrichtet elf Jahre lang alle Kinder gemeinsam: Superhirne und Förderbedürftige, ausländische, deutsche, Hartz-IV-und Akademikerkinder. Sie verzichtet auf Noten, Sitzenbleiben und geschlossene Räume und arbeitet stattdessen jahrgangsübergreifend, in Gruppen und individuell.

Auf Einladung der Ratsfraktion die Linke füllte die Pädagogin das unbekannte Wesen Gemeinschaftsschule im Ratssaal mit Leben. Denn die Diskussion um die Zukunft der Schullandschaft ist nicht nur in Netphen in vollem Gange; eine wackelnde Hauptschule nur eines der Probleme, die die Kommune lösen muss.

Vor diesem Hintergrund wollten die Linken Angst vor ihrem 'politischen Ideal einer Schule für alle abbauen - eine Idee, die, gemessen an den Zuhörerreaktionen, aufging.

Viele Pädagogen, junge Leute sowie Rats- und Ausschussmitglieder interessierte der Vortrag.

"Es ist Zeit, Schule neu zu denken. Sie kann mehr, sie muss aber auch mehr sein", stellte Thurn klar. Weiterhin über 20 Prozent eines Jahrganges ohne Abschluss lebenslang chancenlos zu machen, sei keine Zukunftsoption; das Überwinden der Dinge, die "immer schon so waren", mit Unsicherheiten und Widerständen verbunden, aber nötig.

Die Referentin erinnerte sich nur zu gut an die Reaktionen, als sie ihre Tochter an der Laborschule anmeldete: vom Neid der Klassenkameradin ("Oh, da muss die nichts lernen") bis zum Entsetzen der Erzieherin ("Ihre Tochter ist doch nicht zurückgeblieben"). Doch mit Kuschelpädagogik habe die Laborschule nichts zu tun.

Anders als im herkömmlichen Schulsystem seien aber an ihr Unterschiede ein Gewinn. "Wir haben das Bullerbü-Mädchen, von der Wiege an gefördert, und den kleinen Hardrocker, der erst lernen muss, dass ein Stift keine Waffe ist. Wie kann man von diesen Kindern erwarten, in der Schule plötzlich gleich zu werden?" In der Ungleichheit angenommen und individuell gefordert - so werde Lerneifer erhalten. "Alle Kinder lernen gern - bis das System es ihnen abtrainiert. Entweder, weil sie nur für Noten lernen, oder weil sie merken, dass sie trotz Anstrengung niemals gut werden."

Die Thesen der Pädagogin gaben den Zuhörern einiges zu denken, fanden aber Anklang. Sicher auch, weil sie vorzuweisen hatte, was manchem Lehrer schon im Referendariat abhanden kommt: Eine spürbare Liebe zu ihrem Beruf. Und eine feste Überzeugung, im richtigen System zu arbeiten.

Der SZ-Artikel im Original




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