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Niemand hat was gegen Asylbewerber, oder?

Ullrich Georgi

Pressemitteilung zum Artikel "Eine Entwicklung mit Zündstoff" in der Siegener Zeitung vom 30.10.2013

Unter der Überschrift „Eine Entwicklung mit Zündstoff“ berichtet die Siegener Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe auf der ersten Lokalseite über eine Zunahme von Diebstählen in Burbach. Im Artikel wird Bezug genommen auf eine Zunahme von Ladendiebstählen in Burbach seit dem Zeitpunkt, zu dem die ersten Asylsuchenden in dem in der ehemaligen Siegerlandkaserne gelegenen Übergangswohnheim eingezogen sind. Wer nun glaubt, dass es in Burbach täglich zu mehreren Vorfällen dieser Art kommt, sieht sich enttäuscht: innerhalb von vier Wochen im September/Oktober sind laut Polizei 10 Ladendiebstähle gemeldet worden, von denen 7 Insassen des Wohnheims zugeordnet werden konnten. Da keine Vergleichszahlen aus früheren Zeiten genannt werden, fällt eine Beurteilung über die Höhe der Zunahme solcher Delikte schwer, aber ganz so dramatisch wie der Artikel suggerieren will, scheint es nicht zu sein.

Niemand will Straftaten, egal von wem sie begangen werden, bagatellisieren oder Schönreden und natürlich sollen und müssen auch Ladendiebstähle zur Anzeige gebracht und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Daraus aber nun gleich ein Schreckensszenario zu machen ist sicher nicht nötig. Und damit sie sich schon mal darauf einstellen können, werden auch die Bürgerinnen und Bürger in Bad Berleburg, wo demnächst ein weiteres Übergangswohnheim eingerichtet wird, darauf hingewiesen, wie es schon bald auch bei ihnen zugehen kann.

Der Artikel ist ein Schulbeispiel für Journalismus der unappetitlicheren Sorte. Natürlich will man nicht alle Asylsuchenden „über einen Kamm scheren“, aber es fehlt nicht der Hinweis auf die überwiegend weiblichen Mitarbeiterinnen in den Ladenlokalen, die „sich bei der Ausübung ihrer Arbeit nicht mehr sicher fühlen“. So wird unterschwellig Stimmung gegen Menschen gemacht, die der unerträglichen Situation in ihren Heimatländern, die Krieg und Elend entkommen wollten. Bei uns dürfen Asylsuchende keiner Arbeit und keiner Ausbildung nachgehen, nicht einmal Sprachunterricht wird ihnen angeboten. Hier muss angesetzt werden wenn man vermeiden will, dass Menschen in der Fremde mit all ihren ungewohnten Verlockungen auf die schiefe Bahn geraten.

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