Siegen-Wittgenstein steckt mitten in einer Wasserkrise
In der vorletzten Woche mussten vom Kreis Siegen-Wittgenstein weitere Einschränkungen der Wassernutzung vorgenommen und Nutzungsverbote ausgesprochen werden.
Das Problem ist: Die Obernautalsperre ist nur noch zu 48 Prozent gefüllt, die Breitenbachtalsperre zu 57 Prozent. In den nächsten vier Monaten könnte sich die Situation so weit zuspitzen, dass nicht mehr genug Trinkwasser vorhanden ist und eine lückenlose Versorgung nicht mehr gesichert werden kann.
In den kommenden Jahren werden sich ähnliche und weiter zugespitzte Situationen immer wieder ergeben: Die Sommer werden heißer und es fällt über das Jahr zu wenig Regen, um die Talsperren ausreichend zu füllen.
Wenn dann im heißen Sommer ungewöhnlich hohe Mengen Trinkwasser genutzt werden oder möglicherweise Brände und Waldbrände gelöscht werden müssen, schwinden die Vorräte schnell.
Schon in den kommenden Wochen wird das Trinkwasser aus dem Hahn wärmer als gewohnt sein. Das liegt daran, dass nun Wasserschichten der Talsperren mitgenutzt werden müssen, die wärmer sind.
Als nächsten Schritt muss das Trinkwasser stärker aufbereitet werden, um weiterhin eine gute Qualität gewährleisten zu können. Wenn Trinkwasser stärker gereinigt werden muss, erhöht dies die Preise für alle Verbraucher*innen.
Auf der einen Seite muss vom Kreis Siegen-Wittgenstein ein Konzept entwickelt werden, um die Trinkwasserversorgung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sicherstellen zu können.
Dazu gehört u.a. die weitere Planung und Umsetzung einer dritten Trinkwassertalsperre sowie weitere Möglichkeiten, Wasser – vorzugsweise unterirdisch – speichern zu können.
Zusätzlich muss überprüft werden, wie das Trinkwasser der Talsperren und das Grundwasser aktuell genutzt werden. Wie nutzen Bürger*innen, die Industrie und Landwirtschaft das Wasser?
Auf der anderen Seite muss uns Menschen in Siegen-Wittgenstein bewusst werden, wie kostbar und endlich Trinkwasser und Wasser auch in unserer Region sind.
Die Linke Siegen-Wittgenstein fordert deshalb:
1. Erst die Menschen, dann die Maschinen: Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung dauerhaft sichern
Zwar ist im § 50 des Wasserhaushaltsgesetzes der Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung festgeschrieben. Das heißt: Bürgerinnen und Bürger haben Vorrang vor der Industrie. Doch dieser Grundsatz gerät angesichts zunehmender Konkurrenz um knapper werdendes Wasser unter Druck.
Wir wollen hier keine US-amerikanischen Verhältnisse, wo die riesigen Datenzentren der Tech-Konzerne oder andere große Firmen den Menschen das Trinkwasser abpumpen.
2. Wasser muss bezahlbar bleiben: Privatisierungen der Wasserbetriebe und -quellen verbieten und öffentliche Wasserwirtschaft für die Klimaanpassung stärken
Nach den schlechten Erfahrungen mit der Privatisierung der öffentlichen Wasserversorgung in einigen Gebieten des Landes muss sichergestellt werden, dass zukünftig keine Konzerne mehr Zugriff auf unser Wasser bekommen und so die Preise hochtreiben. Deshalb fordern wir ein Privatisierungsverbot für Wasserbetriebe, Wasserquellen und dem Grundwasser, damit die Bürgerinnen und Bürger nicht für die Profite der Aktionäre zahlen müssen. Statt die Gebühren für Wasser zu erhöhen und die Menschen weiter zu belasten, braucht es ein Investitionsprogramm zur Modernisierung der öffentlichen Wasserinfrastruktur – etwa durch größere Wassertanks und Speicher, die bei Starkregen mehr Wasser aufnehmen können. So bleiben Qualität und Verfügbarkeit von Wasser gesichert. Die bestehenden Anlagen müssen ertüchtigt und erneuert werden, um sie gegen Dürren, Starkregen und andere Krisenfaktoren zu wappnen.
3. Transparenz herstellen, Missbrauch verhindern: Öffentliches Wasserregister anlegen, damit die öffentliche Hand rechtzeitig auf Notlagen reagieren kann
Es braucht eine verlässliche Datengrundlage, um abschätzen zu können, was auf uns zukommt und wie wir reagieren müssen. Bisher gibt es keine umfassenden Daten zu Nutzungsgenehmigung und der tatsächlichen Nutzung von Wasser durch die verschiedenen Akteure. Die Linke Siegen-Wittgenstein fordert deshalb die Einrichtung eines Wasserregisters als Basis für eine öffentliche Hitze- und Dürrestrategie. So können wir verhindern, dass Konzerne uns das Grundwasser abpumpen.

