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KV Siegen-Wittgenstein, Ekkard Büdenbender

Rede am globalen Klimastreiktag in Siegen am 20.09.2019

Ich gehe mal davon aus, ich muss hier nicht mehr erklären, dass es einen Klimawandel gibt. Ich muss wohl auch nicht mehr erklären, dass die Bedrohung des Klimawandels nicht nur in toten Fichten und schlechteren Ernten besteht.

Aber obwohl die Folgen der Erderwärmung alles übersteigt, was uns bisher bedroht hat, ähneln die Reaktionen von Politik und Wirtschaft denen, mit denen sie auf andere Szenarien reagiert haben: Weitermachen, einfach weitermachen.

Die meisten Menschen halten den Menschen für so viel intelligenter als die Tiere. Aber die Reaktion unserer Eliten auf Krisen ist eigentlich immer die gleiche. Sie erhöhendas Tempo, mit dem wir gemeinsam in die falsche Richtung laufen sollen. Anstatt bei den sich nahezu täglich verschlechternden Prognosen die Notbremse zu ziehen, sollen jetzt einfach ganz schnell ein paar zusätzliche Anreize geschaffen werden,unsere völlig zugemüllte Umwelt zur Abwechslung mal CO2-neutral zuzumüllen. Aber obwir mit Verbrennungsmotoren oder mit Elektroantrieb gegen die Wand fahren, machtwohl nicht den großen Unterschied.

Hauptsache man lässt uns keine Zeit, um einmal grundsätzlich zu analysieren, wo wir stehenundwohin wir uns bewegen. Und noch viel wichtiger: Hauptsache, man gibt uns nicht die Chance selbst zu entscheiden, wo wir eigentlich hinwollen.

Es darf zwar über alles geredet werden. Und es wird auch über jeden Scheiß geredet. Aber die grundsätzlichen Pfeiler unseres Gesellschaftssystems dürfen nicht angetastet werden. Das Wirtschafts-und Finanzsystem darf nicht ins Stocken geraten. Schulstreiks sind erlaubt und eventuell sogar erwünscht, aber nicht während der Schulzeit. Politische Streiks sind schon vom Grundgesetz ausgeschlossen worden. Das Verlassen des Hamsterrades ist bei Strafe verboten. Wir müssen in Bewegung gehalten werden. Die Gefahr, dass unsere Köpfe einmal eigene Gedanken denken könnten, ist zu groß.

Sämtliche historische Chancen über unseren gemeinsamen Weg durchs Leben einmal grundlegend nachzudenken, haben wir dadurch verstreichen lassen. Wir haben sogar zwei deutsche Staaten, mit völlig verschiedenen Erfahrungen einfach mal vereint, ohne uns die verschiedenen Bausteine genauer anzusehen. Wir Wessis haben die Ossis verhöhnt, weil sie in ihren Fabriken angeblich nach 4 Stunden aufgehört habenzu arbeiten, da sie kein Material mehr hatten. Wir Wessis haben nicht einmal aufgehört zu arbeiten, als wir alles hatten, was wir zum Glücksichsein gebraucht hätten.

Als dann 2008 die Immobilienblase platzte, wurdedeutlich, dass die Gier nach immer mehr, längst zu einer Sucht geworden war, die ganze Staaten in den Abgrund reißen konnte. Doch anstatt Konsequenzenaus dieser Erkenntnis zu ziehen, war das oberste politische Ziel, keinen Stillstand zuzulassen. Es durfte alles passieren, nur nicht, dass wir Zeit und Ruhe finden könnten, um darüber nachzudenken, ob wir nicht endlich einmal das Leben in den Mittelpunkt rücken sollten, statt Geld, Macht und wirtschaftliche Interessen.Es wurden Rettungsschirme aufgespannt, um den Blick auf die Realität zu verhindern. Es musste im wahrsten Sinne des Wortes um jeden Preis verhindert werden, dass wir darüber nachdenken, für wen oder was wir unsere Zeit, unsere natürlichen Ressourcen, unser Leben verschwenden. Die Regierung pumpte Milliarden in die Banken und erfand die Abwrackprämie. Funktionierende Autos wurden gegen SUVs eingetauscht. Das Hamsterrad drehte sich weiter, schneller und immer schneller.

Mal hält man uns Möhren vor die Nase, um uns am Laufen zu halten.Möhrenin Form von neuen elektronischen Spielzeugen mit immer größer werdenden Monitoren und immer größeren Datenfluten, um uns in Scheinweltenzu entführen, während draußen nicht nur die Natur stirbt, sondern noch immer alle 5 Sekunden ein Kindverhungert. Wir hetzen durch unser Leben wie durch ein Computerspiel, in dem wir Punkte sammeln müssen und nach dem Highscore streben, immer schneller, immer bunter, immer lauter, immer sinnloser.

Wer raus will, wird sanktioniert. Alternative Versuche, wie z.B. Leben in Wagenburgen werden verboten. Ernsthafter Protest wie im Hambacher Forst wird kriminalisiert. Neue Polizeigesetze werden konstruiert, unsere Überwachung perfektioniert, um schon den Gedanken an Widerstand gegen diesen Wahnsinn im Keim ersticken zu können. Die Gefahr, dass wir einmal eigene Bedürfnisse entwickeln könnten, die nicht der Wirtschaft dienen, ist systembedrohend.

Andere werden durch Angst imRad gehalten. Hartz IV z.B.hat Millionen Menschen mürbe gemacht. Mit Sprüchen von führenden Politikern, wie: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“, wurden Menschen davon überzeugt, dass im Rad immer noch besser ist als unter dem Rad. Freie Zeit ist ein selten gewordenes Gut in unserem Landgeworden. Die Schulsozialarbeiter meiner Stadt berichteten schon vor Jahren von Burnout bei Siebtklässlern. Studierende werden durch das Studium getrieben, statt ihnen Zeit für Experimente zu lassen. Die Abschaffung der Wehrpflicht und damit der Zivildienste sorgte dafür, dass nach der Schule sofort die Weichen für das spätere Leben gestellt werden müssen. Denn Zeiten außerhalb des Rades sind gefährlich. Freie Zeit schafft Raum für eigene Gedankenund für Fantasie.

Auch jetzt scheint es oberstes Ziel zu sein, uns zu erklären, dass das Verlassen des Hamsterrades verboten ist. Wir dürfen den Klimawandel gerne verhindern. Aber nur, wenn dies mit neuer, zusätzlicher Arbeit verbunden ist, mit Arbeit im System. Wir dürfen gerne neue Antriebe für Autos oder Busse bauen, mit denen wir dann weiterhin zur Arbeit fahren. Hauptsache wir verlassen dabei nicht die vorgegebenen Wege, Hauptsache wir bleiben in unserem Hamsterrad.

Aber so werden wir diesen Planeten nicht retten. So werden wir alles Leben zerstören. Wir müssen uns nicht nur zwischen Diesel und Strom entscheiden, zwischen Windkraft und Kohle, sondern vor allem zwischen Hamsterrad und Leben. Ich weiß nicht, was Ihr wollt, aber ich will, dass wir endlich mal anhalten, nachdenken, überlegen, was sein könnte und sein sollte. Ich will das wir eine bessere Welt aufbauen, eine Welt, die nicht verbraucht, sondern bewahrt und genießt, die man mit Nachbarn und Freunden teilt und an die Nächsten weitergibt. Ich will ein Leben, für das ich mich nicht entschuldigen muss. Ich will singen, tanzen und glücklich sein. Ich will satt sein, wenn ich satt bin und Zeit haben für die, die ich liebe.

Ich will raus aus dem Hamsterrad, ich will rein ins Leben. Raus aus dem Hamsterrad, rein ins Leben.

Ekkard Büdenbender, Sprecher Kreisverband Die Linke Siegen-Wittgenstein


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